Die Fremde (Feo Aladag)

März 6, 2010

Mitreißendes Drama um den Freiheitskampf einer jungen muslimischen Frau.

Obwohl die Medien den Ehrenmord  an türkischen Frauen immer wieder diskutieren, fühlt sich der Zuschauer kaum vorbereitet, wenn er in dem Film mit der Thematik  konfrontiert wird. Das Drama um die türkische Mutter Umay (Sibel Kekilli), die mit ihrem Sohn vor dem gewalttätigen Ehemann nach Deutschland flüchtet, schockiert und rüttelt zugleich auf. Es schockiert, weil einem bewusst wird, dass solche Familiensituationen ohne Halt vor Gewalt auch hier in unserer Gesellschaft stattfinden können. Gleichzeitig erhält der Zuschauer aber auch einen Eindruck davon, an welche Bedingungen die Familie gebunden ist und was „Ehre“ überhaupt bedeutet. Die junge Umay wird zur Identifikationsfigur. Der Kinobesucher bekommt ihren inneren Zwiespalt deutlich zu spüren: Sie muss vor der eigenen Familie fliehen, um ihren Sohn zu schützen, aber vermisst gleichzeitig die Nähe zu den Geschwistern und Eltern.

Sibel Kekilli spielt die Rolle besonders eindrucksvoll – vielleicht gerade weil sie sich ebenso ihre Freiheit erkämpfen musste, wie sie 2004 in einem Interview mit dem Focus betont: „Es stimmt: Wer frei sein will, muss mit der Familie brechen oder fliehen. So hoch darf der Preis nicht sein. Ich weiß, dass ein Widerstand, dass ein Kampf für das eigene Leben sehr schwer sein kann.“ Auch die Laienschauspieler, die von der Regisseurin Feo Aladag für die Nebenrollen der jüngeren Geschwister von Umay besetzt wurden, überzeugen durch packende Darstellungen.

Der Film ist in jedem Fall keine leichte Abendunterhaltung. Er ist mitreißend und verschlägt dem Zuschauer am Ende die Sprache. Trotzdem sollte man ihn sich ansehen, weil er mehr Licht in eine Debatte bringt, die meiner Meinung nach viel zu schnell wieder von der Agenda verschwunden ist. Vielleicht kann der Film dem Ziel der Regisseurin,Toleranz und Dialog zwischen Deutschen und Türken zu fördern, tatsächlich etwas beisteuern.

Kurzkritik: Schwierige Thematik, trotzdem sehenswert!

Trailer zum Film:

Weitere Kritiken:

Welt-Online: Sibel Kekillis Comeback

Aspekte: Großes Kino ohne Worte

Filmstarts: Die Fremde

2 Antworten zu “Die Fremde (Feo Aladag)”

  1. Roger Ebert sagte

    Seemovie goes Pulitzer!

  2. Marc E. sagte

    Liebe Frau Simovie,

    meinen allerherzlichsten Glückwunsch zu ihrem ersten Blogeintrag. Seit dem Start ihres Blogs vor über einem Jahr warte ich nun schon darauf.

    Mit ihrer fundierten Analyse zur Emanzipation der muslimischen Frau in einer säkularisiserten, westlichen Gesellschaft mit vielen Partikularinteressen und einem stark ausdifferenzierten Gesellschaftssystem haben Sie vollkommen recht: Es ist nicht leicht für solche Frauen.

    Weiter so. Wann können wir denn mit der nächsten Kritik rechnen?

    Mit freundlichsten Grüßen aus Berlin,

    Marc E.

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