London Nights (Alexis Dos Santos)
August 5, 2010
In “London Nights” geht es um Liebe. Um Romantik und das Sichfinden. Aber keinenfalls auf die üblich kitschige Tour, wie wir sie schon hundertmal gesehen haben. Da ist zum Beispiel die Belgierin Vera (Déborah François), die sich mit dem “X-Ray-Man” (Michiel Huisman) trifft, ohne Näheres von ihm zu wissen – weder Name noch Telefonnummer – nur um den Augenblick zu genießen. Die Beiden schaffen es irgendwie, sich immer wieder zu finden. Sie bestimmt den Ort und er die Zeit: Manchmal konkret, manchmal sehr ungenau. Immer mit dem Risiko, sich vielleicht das letzte Mal zu sehen, sollten sie sich eines Tages verpassen. Eine schöne Geschichte, die mit kleinen Details und wunderbaren Dialogen belebt wird. Warum nicht einfach mal den nächsten Zug nehmen und sehen, wo er einen hinbringt? Ja, warum nicht mal ein Risiko eingehen?
Neben Vera ist auch der Spanier Axl (Fernando Tielve) auf der Suche nach Liebe. Er sucht seinen Vater, der die Famile verließ, als Axl drei Jahre alt war. Axl kommt mit ihm über sein Maklerbüro in Kontakt, gibt sich aber nicht als sein Sohn zu erkennen. Er ist erschreckt, wie “langweilig normal” sein Vater lebt und verzichtet auf näheren Kontakt. Die Londoner Nächte wie sie Vera und Axl erleben sind tatsächlich nicht langweilig oder normal. Sie leben beide in einem kunterbunten WG-Haus. Meistens fließt der Alkohol in Mengen. In den Bars werden hippe Partys mit Tierkostümen oder attraktiven Gitarristen gefeiert. Gerne würde man sich dazu stellen und mitfeiern. Je nach Alkoholpegel wacht Axl das ein oder andere Mal auch in anderen Betten auf. Meist kann er sich an nichts mehr erinnern. Da bleibt auch der Asiate mit den blauen Haaren ein Rätsel.
Der Film lebt von den Stimmungen. Mit guter Musikauswahl und einem perfekt abgestimmten Lichtspiel kann sich der Zuschauer gut in die Party und Nächster-Morgen-Stimmung hineinversetzen. Die beiden Erzählstränge um Vera und Axl werden am Ende passend verbunden. Natürlich muss man auch realistisch bleiben und darf nicht vergessen, dass das Leben meist nicht nur aus Party besteht. Aber das stört den Film nicht, zumal er ja nur einzelne Lebensphasen darstellt. Bleibt ein Wehrmutstropfen zu beklagen: “London Nights” wurde als Filmtitel gewählt, der im englischen Original jedoch “unmade beds” lautet. Das Original macht meiner Meinung nach mehr Sinn, da die Stadt London nicht wirklich im Fokus steht. Warum englische Titel für Deutschland wieder ins Englische übersetzt werden müssen, könnte man sich aber bei einigen anderen Filmen genauso fragen. Insgesamt ist London Nights ein gelungener Sommerfilm. Wer seine Sprachkenntnisse austesten möchte, sollte auch diesen Film im Originalton schauen. Neben Englisch unterhalten sich die Darsteller nämlich auch auf Französisch und Spanisch.
Kurzkritik: Kult, Musik, Emotionen und Humor – alles gut aufeinander abgestimmt. Im Sommer genau richtig und ideal fürs Picknick im Open-Air-Kino.
Der Trailer…