You will meet a tall dark stranger (Woody Allen)
November 28, 2010
Alle Jahre wieder ein Woody Allen. Nun ist es also wieder soweit: In seinem neusten Streifen “Ich sehe den Mann deiner Träume” erzählt der Erfolgsregisseur amüsant davon, was im Leben alles schiefgehen kann. Da ist die Ehefrau, die sich in ihren Chef (Antonio Banderas) verliebt, während ihr Mann nur noch Augen für die Nachbarin im roten Kleid hat und die Mutter ihr Leben nach den Räten einer Wahrsagerin ausrichtet. Wie eine Geschichte aus einem TV-Klatsch-Magazin wirkt das Leben von Vater Alfie (Anthony Hopkins). Nach der Scheidung von Mutter Helena heiratet er die sehr viel jüngere und als Callgirl tätige Charmaine. Das Blondchen “Charming Charmaine” ist ein herrlich überzeichneter Charakter, die viel zu kurze Kleider trägt und auf die große Karriere als Schauspielerin hofft. Wie alles andere ist auch diese Geschichte zum Scheitern verurteilt.
Zu Beginn scheint der Film eine nette Familiengeschichte aus gehoberenen Kreisen zu erzählen. Nach und nach lässt Woody Allen die Familienmitglieder von einem Missgeschick in das nächste geraten. Die Geschichten nehmen immer bizarrere Züge an. Man kann es kaum glauben, dass es immer noch schlimmer geht. Tochter Sally (Naomi Watts) und ihr Ehemann scheinen am Anfang die stabilsten Personen zu sein. Am Ende stehen beide vor dem größten Scherbenhaufen, sie sind geschieden, er hat ein geklautes Buch veröffentlicht, sie ihren Job gekündigt und kein Startkapital für die eigene Galerie. Das zunehmende Durcheinander und die Missgeschicke werden von einem zynischen Erzähler präsentiert. Wenn eines noch nicht genug war, setzt Woody Allen immer noch einen drauf. Das macht den Film letztlich so unterhaltsam. Wenn der Zuschauer bereits glaubt, das wars jetzt, geht es immer noch weiter.
Für Mutter Helena ist Wahrsagerin Christel das einzig Wahre. Christel schenkt jede Menge Alkohol aus und redet über frühere Leben, den idealen Partner und Geldanlagen. Die Esoterik wird bewusst doppeldeutig dargestellt: Einerseits gibt es ironische Anspielungen auf Aussagen wie “You will meet a tall dark stranger”, das wohl auf jeden zutreffen könnte. Andererseits lässt sich Helena an ihrem Glauben an frühere Leben nicht beirren und bekommt dadurch am Ende ihr Leben geregelt.
Die Kömodie überzeugt duch raffinierte Dialoge und sehr gut besetze Rollen mit bekannten und weniger bekannten Gesichtern. Letztlich betrachtet Woody Allen wie er selbst sagt, die Situationen eher pessimistisch als zynisch. Die Protagonisten stecken in Schwierigkeiten, aber sie könnten ihre Lage von sich aus ändern. Trotz der vielen Pechsträhnen macht der Film Spaß. Zugegeben ist da etwas Schadenfreude dabei, aber beim Gedanken an das eigene Leben stellt man fest: Es geht also doch noch schlimmer.
Fazit: Wer andere Woody Allen Filme mag, kommt hier auf seine Kosten. Allen bleibt seinem doppeldeutigen Humor treu und erzählt gekonnt von den Missgeschicken des Alltags.
Link: Interview mit Woody Allen aus der Berliner Morgenpost
Trailer: Ich sehe den Mann deiner Träume
